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Impfen – Individuelle Vorbeugung und soziale Verantwortung

Die kontroverse Diskussion nach Veröffentlichung der Artikel in der LVZ zum Thema Schutzimpfungen vom 10. und 14. Mai 2012 haben wir als Verein und als Leipziger Kinderärzte zum Anlass genommen, um uns nachdrücklich für die Umsetzung der öffentlichen Schutzimpfungen einzusetzen.

Unbestrittene Erfolge in der breiten Anwendung

Die eingeforderte sachliche Auseinandersetzung mit den pro- und contra Argumenten zum Impfen ist dabei seit Jahrzehnten Gegenstand täglichen ärztlichen Arbeitens in der Praxis. Die unbestrittenen Erfolge der breiten Anwendung von Schutzimpfungen vor allem im Kindesalter  sind jedoch gleichzeitig der Grund für eine immer geringere Verankerung der vermeidbaren Krankheitsverläufe im öffentlichen Bewusstsein. Kinderärzte argumentieren aber immer noch aus dem unmittelbaren Erleben von Hirnhautentzündungen durch Bakterien (Pneumokokken u.a.), lebensbedrohlichen Kehldeckelinfektionen (sog. Hib-Bakterien) oder schleichenden Hirnsubstanzverlusten (Masernvirus), um nur einige Beispiele zu nennen.

Wiederaufflackern zurückgedrängter Erkrankungen

In den letzten Jahren erleben wir zudem ein Wiederaufflackern zurückgedrängter Erkrankungen. Kein Monat ohne Keuchhusten in Schulen und Kindergärten – einer Erkrankung, die ein Schulkind vorübergehend quält, für einen ungeimpften Säugling aber lebensbedrohlich verlaufen kann. Epidemien in ungeimpften Kollektiven (Masern) lassen sofort erkennen, das die altbekannten Komplikationen aus der Zeit vor Einführung einer entsprechenden Schutzimpfung in gleichem Verhältnis zu den Erkrankungszahlen wieder auftreten.

Wirksamkeit und Effizienz von Impfungen geprüft und kontrolliert

Wir halten es auch für unverantwortlich in unserem allseits akzeptierten, globalisierten Dasein zu ignorieren, dass jeder ungenügend Geimpfte auf Reisen potentielle Erkrankungsrisiken importiert. Das Impfen individuellen Schutz verleiht, bedeutet auch, das dieser Schutz individuell  gut oder weniger gut, ausreichend lang oder im Einzelfall auch zu kurz sein kann. Daher werden Schutzimpfungen auch und gerade nach öffentlicher Empfehlung in ihrer Wirksamkeit und Effizienz immer wieder geprüft. Es existieren Meldesysteme für unerwünschte Nebenwirkungen und kaum ein anderes Thema in der Kinder- und Jugendmedizin ist Gegenstand umfangreicherer Fortbildungen.

Soziale Verantwortung der Eltern

Nicht zuletzt sind die immer kurzlebigeren Durchführungsbestimmungen für Schutzimpfungen Ausdruck der kritischen Analyse von Absicht und tatsächlichem Erfolg. Impfberatung muss diese Aspekte berücksichtigen aber in jedem Fall verantwortlich zu dem Schluss kommen, dass der Geimpfte sich selbst und andere schützt. Eltern nehmen daher mit ihrer Entscheidung für das Impfen ihres Kindes auch einen gehörigen Teil sozialer Verantwortung wahr. Dafür ist ihnen großer Respekt zu zollen, denn ihrer Entscheidung verdankt zur Zeit auch noch der Nichtgeimpfte seine Gesundheit. Erst wenn dieses Verhältnis sich umkehrt, wird mit dem Wiederaufflammen alter Erkrankungen zurechnen sein.

Schutzimpfung und individuelle Impfaufklärung

Die Forderung, erfolgte Schutzimpfungen zum Aufnahmekriterium für KiTA’s zu machen, ist vor diesem Hintergrund zu verstehen. Dabei handelt es sich immer um eine politische Entscheidung, die sicher auch unter sächsischen Impfärzten sehr kontrovers diskutiert wird. Unabhängig vom Ausgang dieses Diskurses, nimmt dem Impfarzt auch in Zukunft niemand die Pflicht zur individuelle Impfaufklärung ab. Eine Pflicht, der wir uns aus tiefer Überzeugung und eigener Erfahrung stellen. Wir wünschen uns weiter aufgeschlossene und aufgeklärte Eltern, die mit derselben Unvoreingenommenheit sich für das Impfen entscheiden, wie sie uns ihr an Asthma, Allergien oder Diabetes erkranktes Kind anvertrauen.

Zum Weiterlesen

Artikel in der LVZ

Kinderärzte: Kita-Platz nur bei Schutzimpfung (Leipziger Volkszeitung, 10. Mai 2012)
Geimpfte Kinder nicht unbedingt gesünder (Leipziger Volkszeitung, 14. Mai 2012)

Siehe auch

Forderung des Berufsverbands: Kinderärzte: Nur geimpfte Kinder in die Kitas (Hannoversche Zeitung, 9.5.2012)
Kinderärzte: Kita-Platz nur noch mit Impfnachweis (Pharmazeutische Zeitung vom 9.5.2012)
Kinder- und Jugendärzte: Nur geimpfte Kinder in die Kitas (Deutsche Apotheker Zeitung, 10.5.2012)

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